So fing's an

Ich war 12 Jahre alt. Im Sommer 1977 fuhr unsere Familie nach Österreich in das kleine Dorf Tamsweg. Meine Eltern wandern gerne, ich nicht. Ich glaube, das Dorf war noch kleiner als unser eigenes. Kein Spielplatz, kein Fußballplatz, nichts. Aber eine Tischtennisplatte, draußen, jederzeit bespielbar. Mein Bruder und die anderen des Dorfes spielten gerne. Ich habe es auch probiert. Den Schläger mit beiden Armen festgehalten und dann geschlagen. Selten kam ein Ball auf der anderen Seite an. Und nach ein paar Bällen hatte ich kaum mehr die Kraft, den Schläger zu halten. Meine Arme waren einfach zu kurz. Also gab ich auf. Fortan habe ich gezählt, wenn die anderen spielten. 

Eines Tages sah ein Urlaubsgast aus unserer Pension zu, Herr Lutz. Er sprach mich an: "Willst du nicht auch mitspielen?" "Doch, das würde ich gerne. Ich hab´s auch schon ausprobiert, aber ich kann den Schläger nicht festhalten." Er grübelte nach. "Ich werde mir was einfallen lassen", versprach er. Am nächsten Tag kam er wieder zur Tischtennisplatte. Er hatte Schaumstoff dabei und Schnüre. Eine erste Lage Schaumstoff legte er um meinen Arm, dann kam der Schläger und dann noch einmal Schaumstoff. Das alles band er mit den Schnüren fest. Die Kinder ließen mich ausprobieren. Der Schläger wackelte zwar ein wenig, aber nun kam ich viel besser an die Bälle und konnte richtig mitspielen. Er hat dann noch ganz schön lange getüftelt bis der Schläger so gut saß, dass die Schnüre sich nicht mehr in meinen Arm bohrten und bis nicht immer die Konstruktion auseinander fiel, wenn ich den Schläger ablegte. Fortan war ich begeisterter Tischtennisspieler (auch, wenn ich immer verlor).