Keine übliche Begrüßung

Schön, dass Sie mich nicht persönlich treffen. Sonst wären Sie vielleicht verunsichert. Wie gibt man jemand die Hand, wenn der keine hat? Mit den Jahren habe ich drei Taktiken entwickelt, die Unsicherheiten bei meinem Gegenüber abzubauen.  dem harten Winter in Vancouver getrotzt

Erstens: Ich rede einfach drauf los. Das klappt prima. Etwa bei Trauerbesuchen. Erst klingeln und dann, wenn die Tür einen Spalt geöffnet wird, zack, losreden: „Guten Tag, ich bin Rainer Schmidt, ihr Pfarrer. Vermutlich kennen Sie mich nicht, denn ich bin noch nicht so lange in der Gemeinde. Wir haben gestern miteinander telefoniert. Ich telefoniere gerne, zumal die Menschen dann nicht sehen wie kurz meine Arme sind.“ Das halte ich mindestens 3 Minuten durch und spätestens dann bin ich drin. Ich muss das so machen: Das Risiko ist zu hoch, die Türe vor der Nase zugeschlagen zu bekommen. Dann höre ich noch: „Heinz, da will wieder einer Postkarten verkaufen“.

Zweitens: Küsschen links, Küsschen rechts. Diese Variante eignet sich kaum für Trauerbesuche, dafür aber umso mehr für Partys. Erst schüchtern eintreten, dann umsehen, anschleichen, den richtigen Moment abwarten, und wenn sich die Frau mit dem Engelshaar umdreht: „Hallo, ich bin Rainer" (Küsschen links, Küsschen rechts). Ja, man muss den Menschen helfen, ihre Berührungsängste abzubauen.

Drittens: Diese Möglichkeit habe ich erst im letzten Winter entdeckt. Zig mal musste ich mein Auto vom Schnee befreien und immer hatte ich danach eiskalte Arme. Also bin ich zum Kaufhof und sofort auf eine Verkäuferin zu: „Ich brauche Handschuhe und ich möchte sie anprobieren." Als die Dame nach 3 Sekunden immer noch nicht antwortete habe ich die Atmosphäre aufgelockert: „Was gucken Sie so? Haben Sie keine Handschuhe?

heiß begeht: Kanadas KulthandschuheIm Winter hat die Handschuhtaktik wirklich prima funktioniert.

Und die Handschuhe haben noch einen Vorteil. Seitdem ich die Hände falten kann, werden beinahe alle meine Gebete erhört. Es kommt eben doch auf die Haltung an.