Tagebücher

In der Vergangenheit habe ich von wichtigen Turnieren ein Onlinetagebuch geführt. Darin habe ich berichtet, wie es mir ergangen ist und kommentiert, was mir widerfahren ist. Heute schreibe ich meinen blog.

Viel Spaß beim Lesen.

Paralympics 2008 in Peking

(06.09. bis 17.09.2008)

Die Paralympics in Beijing waren meine siebten und letzten Paralympics. 1983 habe ich in Ingolstadt erstmalig eine Europameisterschaft besucht, 2008 habe ich in China, dem tischtennisverrücktesten Land der Welt meine Sportkarriere beendet.

Die deutsche Öffentlichkeit konnte die Spiele dank umfangreicher Berichterstattung intensiv mitverfolgen. ARD+ZDF haben ihre Übertragungszeiten im täglichen Wechsel von 11 Stunden (Athen 2004) auf insgesamt 88 Stunden ausgeweitet. Neben Live-Übertragungen am Nachmittag wurden Zusammenfassungen im Vorabendprogramm gezeigt. 

Das Medieninteresse an den Paralympics in Beijing war überaus groß. Berichte und Radiobeiträge finden Sie hier.

 

Rainers Tagebuch von den Paralympics 2008 in Beijing:

Kleider machen Leute

20. Aug. 08 

Seit 09. Aug. habe ich meine Einkleidung für die Paralympics. Doch Haben und Tragen liegen weit auseinander für jemanden ohne Unterarme. Meine Mutter kürzt zurzeit quasi im Accord alle T-Shirts, Pullover und Jacken. Doch bereits das Anprobieren hat viel Spaß gemacht. Wer sich als Clown verkleidet, wird zum Clown. Genauso fühle ich mich seit der Anprobe als Paralympionike in Beijing und kann mich kaum mehr auf mein Leben hier konzentrieren.
Sportliche Grüße,
Rainer Schmidt

Eigene Homepage gesperrt

30. Aug. 08 

Liebe Blogleser/innen,
es ist eingetreten, was ich befürchtet, aber doch nicht erwartet habe. Ich kann meine Homepage nicht im Paralympic Village aufrufen. Und damit kann ich nur unter erschwerten Bedingungen Einträge in diesen Blog einstellen. Ich sende also eine E-Mail zu meinem Webmaster und der bringt diese so schnell es ihm möglich ist online. Ich bitte also um Geduld.

Abschied und Welcome 

30. Aug. 08 

Am Freitag, den 29.08. gegen 16.00h hatte sich die deutsche Delegation annähernd vollständig bei Gate 46 des Frankfurter Flughafens eingefunden. Mit Reden, Schnittchen und Blitzlichtgewitter wurden wir verabschiedet. 

Im Bus zum Paralympic Village sind mir dann endlich die Augen zugefallen. Zum Glück habe ich sie inzwischen wieder auf, denn das „Dorf“ ist eine echte Augenweide. Überall Bäume, Springbrunnen, künstliche Gewässer und Kunst. Gut, man muss nahe an die Dinge treten, um sie zu erkennen, denn die Luftfeuchtigkeit in Form von Nebel verhindert jeden Weitblick. Bilder kommen, wenn sich die Sicht ein wenig verbessert.   

Dorf oder Schlaraffenland?

31. Aug. 08

Alles was das Herz begehrt bietet das Essenszelt. Essenzelt? Nein, es ist eher ein Schlaraffenland. Frisches Obst, Gemüse, Salate und jedes erdenkliche alkoholfreie Getränk (ok, es gibt kein alkoholfreies Bier). Asiatische, mediterrane und internationale Küche verwöhnen mit warmen Gerichten. Beinahe hätte ich die zahllosen Suppen, Nachspeisen und Käsesorten vergessen. Ach ja, Eiscremetruhen stehen auch überall herum und wollen von Sushibar und Pekingente ablenken. Zum Glück sind Leistungssportler in Disziplin geübt.

Menschen, Tiere, Sensationen

01. Sept. 08

Vor dem heutigen Training um 18.00h bot sich die erste Chance auf einen touristischen Stadtbesuch. Vier Footies und drei Rollies zogen tapfer los, um die verbotene Stadt zu entdecken. Doch die betreffende Bushaltestelle war verwaist. Also sind wir mit einem anderen Bus zum Vogelnest, denn dort sollte es eine U-Bahn Station geben. Zuerst aber gab es Scharen von Chinesen, die kein Wort Englisch sprachen aber alle sehr freundlich lächelten. Gelächelt haben wir dann auch als wir die Station gefunden haben und dort auf sehr freundliche Helfende gestoßen sind. Sofort wurden wir zu Aufzügen und Geleisen geführt, wo dann eilends Einstiegshilfebretter bereit gelegt wurden. Merkwürdig kam uns die Frage vor, wohin wir denn wollten. “Was geht die das an” dachten wir, verrieten es dann aber doch. Als wir dort ankamen, wurde uns der Hintergrund der Frage klar. Dort warteten bereits drei U-Bahn Bedienstete mit Einstiegsbrett exakt vor unserem Wagen und unserer Türe. Fortan klappte das bei jedem Umsteigen wie am Schnürchen. Das alles geschah übrigens unter den staunenden Blicken vieler Passanten. Vollends zur Attraktion wurden wir, als es keinen Aufzug mehr gab, und unserer Rollies auf einen Treppenlift zurück greifen mussten. So viele offene Münder habe ich nicht beim letzten Konzert eines Chores gesehen. Neugieriges Angaffen ist offensichtlich nicht verpönt im Reich der Mitte. 

Beinahe hätte die verbotene Stadt vergessen. Die ist in der Tat auch eine Sensation. 

Die Sonne geht auf

02. Sept. 08

Habe ich irgendwann behauptet, es sei nebelig in Peking? Das war glücklicherweise nur einen Tag der Fall. Inzwischen lacht bei klarem Himmel und wenig Luftfeuchtigkeit die Sonne am Himmel. Es fühlt sich ein wenig wie Urlaub an. 

Heute haben wir das erste Mal in der Wettkampfhalle trainiert. Das war auch wie eine aufgehende Sonne. 8000 Zuschauerplätze um 8 Turniertische. Ich freue mich auf das Turnier.

Und jetzt alle

03. Sept. 08

Der Bürgermeister des Paralympics Village hat heute offiziell die Deutsche Mannschaft im Dorf, „unserem Zuhause für drei Wochen“ begrüßt.

Rede, Geschenke mit dem Deutschen „Chef de Mission“ tauschen, Flaggen hissen und dann dem Kinderchor lauschen.

Wer glaubt, so ein Kinderchor könne nur singen, der irrt gewaltig. Auch als Chearleader eigenen sich die süßen Bengel prächtig. Guckst Du hier:

Vormachen:

Nachmachen:

I must protect your life

04.Sept. 08

„Ein unbedingtes Muss für jeden Chinareisenden ist die Great Wall“ klärte mich mein Reiseführer auf. Und tatsächlich, die Mauer ist nicht nur groß, sondern graßartig. Bislang hatte ich mich immer gefragt, in welcher Zeitspanne wohl das Paralympische Dorf und die gigantischen Sportstätten entstanden seien. Nachdem ich heute ca. 2km des 6350 km langen und damit längsten Bauwerkes der Erde gegangen bin, lautet meine Antwort: „Vermutlich an einem Mittwoch“.

Am Ende unserer Tour ließ uns dann eine Frage nicht los: „Waren wir soeben einem Teil chinesischer Identität begegnet?“ Was war geschehen. Es gab drei Möglichkeiten, die Mauer zu verlassen: zu Fuß, per Sessellift oder per Bobrutschbahn. Und schnell war klar, es kommt nur rutschen in Frage. Wir baten also unseren deutschsprachigen Volunteer, uns zum Ticketverkauf zu begleiten. Anschließend führte er uns zum Sessellift. Als wir monierten, wir wollten aber mit der Rutsche bergab fahren und nicht mit dem Lift, gab er zu verstehen, er habe das leider falsch verstanden. Nun aber sei ein Umtausch der Tickets ausgeschlossen. „Das wollen wir doch mal sehen“ waren wir uns einig. Prompt kam sein nächstes Argument: „das ist viel zu gefährlich für euch. „I must protect your life“. „Papperlapapp, wir haben das in Deutschland schon ausprobiert“ erwiderten wir. Worauf ein: „es gibt ein Gesetz, dass Behinderte nicht mit dieser Rutsche fahren dürfen“ folgte. Weder unser chinesischer Begleiter, noch die Bediensteten der Station trauten uns zu, selbst einzuschätzen, inwieweit wir die Bobbahn beherrschten. Ich lies mich dann erweichen mit unserem Guide den Sessellift zu nutzen. Die anderen aber wollten unbedingt rutschen. 

Um es kurz zu machen. David, dem der rechte Unterarm fehlt wurde befühlt und musste seine Armkraft demonstrieren, durfte dann aber rutschen. Jochen, der beide Hände etwas verdreht hat und seine Ellenbogen nicht ganz beugen kann, durfte hinter einem Aufseher herrutschen, nachdem er diesem begreiflich gemacht hatte, §3 seiner Regeltafel (Kinder unter 10 Jahren nur in Begleitung Erwachsener) treffe auf ihn nicht zu. Während der Fahrt verlangsamte Jochen seinen Bob, damit er den entstehenden Abstand nutzen konnte, um kurzzeitig schneller zu fahren. Doch der Aufseher lies sich nur einmal reinlegen und drehte sich fortan permanent um und vereitelte jeden Schnellfahrplan. Daniel und Susanne gaben auf und nahmen den Sessellift. Als wir dann alle in der Talstation waren, stöhnte unser Reisebegleiter: „Gott sei dank, ihr seid alle lebend angekommen“.

Was also ist der Grund dieses für uns seltsamen Verhaltens? Angst, ein Kunde könne sich auf ihrem Fahrgeschäft verletzen? Fehlende Erfahrung und dadurch übervorsichtige Fürsorge? Unbedingter Gehorsam gegenüber Regeln, seien sie auch noch so sinnlos. Für letzteres sprechen Einheimische die vor roten Ampeln im Dorf warten, obwohl weit und breit keine Autos fahren.

Gruppenauslosung

05. Sept. 08

Heute Nachmittag wurden die Auslosungen bekannt gegeben. Meine Gruppe: Kowalski, (POL, Nr. 4 der Welt), Schmidt (Nr. 5), Wetherill (GBR, Nr. 9) und di Franco (BRA, Nr. 15). D.h. keiner meiner Angstgegner ist in meiner Gruppe. Es wird aber schwer genug, denn gegen Kowalski habe ich eine ausgeglichene Bilanz und Wetherill kann an einem guten Tag alle schlagen. 

ARD, ZDF und Waldners Kneipe

06. Sept. 08

Von Tag zu Tag steigt das Interesse der Medien. Vorgestern waren ARD und ZDF in unserem Haus und haben Interviews geführt, um ihre Berichterstattung vorzubereiten. Gestern dann Aufnahmen beim Training: Höhepunkt des Tages war aber zweifelsohne der Besuch des Teams in Pekings einziger Tischtennisbar. Eigentümer ist Jan-Owe Waldner, der berühmtester Tischtennisspieler aller Zeiten. Der Chef des Ladens spielt höchstpersönlich gegen seine Gäste Tischtennis und ist angeblich bislang ungeschlagen gewesen. Da fühlten wir uns freilich rausgefordert. Daniel trat als erster an. Bis 7:7 hielt der Chef noch mit, dann durfte Daniel aufschlagen und zupp, zupp ging der erste Satz an ihn. Im zweiten lief Daniel zur Höchstform auf und panierte seinen Gegner 11:4. Mir war das ja vorher klar, denn Daniel hat die Hände so schief eingehängt, dass er eine Mischung aus Shakehand und Penholder spielt (europäische und asiatische Schlägerhaltung). So was haben selbst chinesische Spieler noch nie gesehen. Ich durfte danach ran. Nachdem der Chef auch dieses Spiel verlor, gab er auf. 2:0 Deutschland, so kann es weitergehen.

Es gibt noch eine Chance

09. Sept. 08

Gestern hat tatsächlich Dave Wetherill gegen Miroslaw Kowalski 3:2 verloren und ich mein Spiel 3:0 gewonnen. Vor 2.000 Zuschauern am Fernsehtisch zu spielen macht übrigens Spaß (wenn’s gut läuft). Damit hat sich eine letzte Chance eröffnet, doch noch Gruppen Erster  zu werden. Ich muss heute Kowalski 3:0 schlagen. Ober ich gewinne und Wetherill verliert. So für mehr Text habe ich keinen Nerv. Die nächsten 5 Std gehören der Vorbereitung auf das Spiel.

Es ist viel passiert

11. Sept. 08

Liebe Lesende, es ist viel passiert, seit ich persönlich den letzten Eintrag in meinem Tagebuch vorgenommen habe. Mein Webmaster Oliver macht aber meine sms unverzüglich zum Eintrag.

Inzwischen habe ich nach hartem Fight das Halbfinale gegen Peter Rosenmeier verloren. Ich habe ihm 5 Sätze aufgezwungen, war aber im fünften nach Spielstand 2:2 ein wenig zu sehr auf Treibbälle (kaum Schnitt) fixiert und habe 6:11 verloren. Dennoch war es ein Erlebnis, denn wir wurden beide vom Publikum mit standing ovations gefeiert.

In fünf Stunden werde ich nun um Bronze kämpfen und noch einmal alles geben. Mein Gegner, aber fast schon mein Freund ist Niko Blok aus Holland. Für uns beide sind diese Paralympics das letzte internationale Turnier und das letzte Spiel, denn vermutlich werde ich nicht als Teamspieler eingesetzt. Das wird also eine gefühlsschwangere Begegnung.

Passiert ist außerdem, dass kein Tag mehr ohne mindestens drei Interviews vergeht. Alle Wünsche nach einem Interview vor dem Wettkampf bügle ich ab. Denn es stört die Konzentration doch ungemein.

Ich danke allen, die mir E-Mails senden oder sich über meinen blog an mich wenden. Es waren in den letzten 48 Std ca. 120 Menschen. Das meiste lese ich, aber antworten tue ich nicht mehr. Es tut mir aber ungemein gut und motiviert mich. DANKE! 

4. Platz – gut oder schlecht?

12. Sept. 08

Nun liegt mein verlorenes Spiel um Bronze 24h zurück. Ganz ehrlich, direkt nach dem Spiel war ich tierisch gefrustet. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich gegen Niko Blok verloren und dazu noch verdient. Es war kein gutes Spiel von mir. Der Traum, 20 Jahre nach meiner ersten paralympischen Medaille noch einmal Edelmetal zu gewinnen ist geplatzt. Immer wieder bin ich in der Nacht aufgewacht und habe gedacht: So ein Mist! 

Inzwischen aber verändert sich meine Sicht. Alle anderen Halbfinalisten waren unter 30 Jahre alt. Der spätere Goldmedaillengewinner hat nur gegen mich 2 Sätze verloren. Niko B. war die letzten 6 Wochen vor den Spielen im Trainingslager und konnte täglich 4-6 Stunden spielen. Die Nr. 3 der Welt hat kein einziges Spiel in Peking gewonnen. Die Nr. 4 der Welt habe ich zum ersten Mal in meinem Leben 3:0 geschlagen. 

Alles in allem war es eine richtige Entscheidung, noch einmal in Peking anzutreten. 

Photo, please!

12. Sept. 08

Aus verschiedenen, wohlinformierten Quellen habe ich gehört, dass von den Paralympics in den deutschen Medien breit berichtet wird. Noch viel mehr berichten die chinesischen Medien. Angeblich soll es in Peking 20 Kanäle geben, die beinahe rund um die Uhr senden. 8 davon habe ich mir schon angesehen. Die Auswirkungen sind phänomenal. Heute war ich im Stadion und der Schwimmhalle. Immer wieder kamen Menschen auf mich zu und wollten sich mit mir fotografieren lassen. Und stets machten sie eine schwingende Handbewegung und sagten: „Pingpong“. Ein Mann umarmte mich unvermittelt. Daniel hat einen weiblichen Fan, die ihm stets ein: „I love you, Daniel“ zuruft. Und Andrea Zimmerer wurde nach ihrer Bronzemedaille beim Autogrammschreiben beinahe erdrückt. Ihr Mann und unser Co-Trainer hatten größte Mühe, sie in die Athletenzone zu geleiten.

Team – es geht weiter!

13. Sept. 08

Seit 21.00h Ortszeit steht das Deutsche Team der Klassen 6-8 im ¼-Finale. Jochen (Klasse 7), Daniel und ich (beide Klasse 6) versuchen das Unmögliche und haben bereits heute einen Schritt in diese Richtung getan. Wir haben Taipeh Chinese (Taiwan) 3:0 besiegt, obwohl diese mit zwei Athleten der Klasse 8, also weniger eingeschränkte Spieler, angetreten sind. Nachdem Daniel und Jochen mit einer konzentrierten Leistung einen 2:0 Vorsprung rausgeholt hatten, habe ich verabredungsgemäß mit Jochen das Doppel gespielt. Man, war das knapp. Im 4ten und 5ten Satz lagen wir jeweils 4:8 und 6:9 hinten. Dann haben wir mehr Risiko gespielt und jeden Ball voll durchgezogen. Zum Glück lassen sich auch Chinesen beeindrucken.

Morgen nun spielen wir gegen China. Da sind wir krasser Außenseiter. Aber das macht nichts. Heute waren wir nur normaler Außenseiter und es hat doch geklappt.

Team – sensationelle Niederlage

14. Sept. 08

Leider sind wir heute gegen China im ¼-Finale ausgeschieden. Aber es war sooooooooo knapp. Daniel (Klasse 6) hatte gegen den Silbermedaillengewinner der Klasse 7 keine Chance. Dafür hat Jochen (klasse 7) den Goldmann der Klasse 8 verhauen (erstes sensationelles Spiel), Im Doppel lagen Daniel und Jochen 2:0 vorne, aber die Chinesen hatten dann einen Lauf und gewannen 3.2. Jochen wehrte dann gegen die Nummer 1 der Chinesen 4 Matchbälle ab und gewann 3:2. Super Jochen. Daniel musste als den Goldmedaillengewinner der Klasse 8 besiegen, damit wir ins 1/2 –Finale einziehen konnten. Und er war so nah dran. Den 4ten und 5ten Satz verlor er in der Verlängerung. Dabei waren so spektakuläre Ballwechsel, dass sogar das chinesische Publikum eine Bälle von Daniel beklatschte. Heue Abend waren wir dann auf dem Silkmarket. Wir kamen keine 5m weit, ohne dass uns jemand „pingpong“ zugerufen hat und ein Foto mit uns machen wollte. Und als wir für den Rückweg ein Taxi brauchten, hat ein Polizist mal eben eines für uns angehalten. Kein schlechtes Gefühl, wie ein Star behandelt zu werden. Nur zum Einkaufen kommt man halt nicht.  

Im Land der aufgehenden Sonne

15. Sept. 08

So langsam denke ich an meine Rückkehr aus dem Land der Tischtennisverrückten. Und da ich immer so viel mit der Zeitumstellung zu kämpfen habe, versuche ich dieses schon einmal vorwegzunehmen. Ganz praktisch bedeutet das, ich gehe erst ins Bett, wenn im Land der aufgehenden Sonne die Sonne aufgeht. Dafür schlafe ich dann ein wenig länger. Diese Nacht werde ich dieses Prinzip aber durchbrechen, da unser Damenteam morgen früh um 10.00h im Finale gegen China sitzt (sind halt Rollies und keine Footies). 

EM 2007 in Slowenien

EM in Slowenien

Vom 10.-21. Okt. 2007 fand die Tischtennis-Europameisterschaft in Granjska Gora (Slowenien) statt.

Es war die bestorganisierte Europameisterschaft, die ich je erlebt habe. Halle, Hotel, Spielpläne, international erfahrene Schiedsrichter, ... alles war perfekt.

Für diese Meisterschaft habe ich kein ausführliches Tagebuch geschrieben. Ich war schlicht zu faul.

Hier finden Sie aber die Notizen, die unter Aktuelles auf meiner Homepage veröffentlicht wurden.

 

20.10: Gold im Team 

Um 16.45h war Russland mit 3:1 besiegt.
Daniel Arnold gewann beide Einzel und unser Doppel war ungefährdet.
Mein Einzel gegen Vadim Buzin konnte ich leider nicht gewinnen.

19.10: Teamfinale erreicht:

Im Halbfinale schlugen wir den amtierenden Europameister Dänemark. Morgen (20.10.) um 15.00 Uhr spielen wir im Finale gegen Russland. Daumen drücken!

18.10: Vorrunde Team gewonnen:

Ger – Fra: 3:0; Ger – Cro: 3:1. Als Erster der Gruppe A damit sofort ins Halbfinale gesetzt.

16.10: Vorrunde Team:

Mit Daniel Arnold trete ich im Teamwettbewerb an. 9 Teams spielen in drei Gruppen. Wir sind an Nr. 1 gesetzt, also auf A1. In unserer Gruppe treten außerdem  Frankreich und Croatien an.

15.10: Aus im Achtel-Finale:


Leider unterlag ich heute im 1/8-Finale Waldemar Krezminski (POL) und bin damit im Einzel ausgeschieden.

14.10: Glücklicher Gruppensieg:


Die Vorrunde des Einzelwettbewerbes ist heute, abgeschlossen worden. Mit viel Kampfgeist und ebensoviel Glück habe ich meine Gruppe gewonnen. RS - A. Soanne (Esp): 3:1; RS - A. Esualov (Rus): 3:2 (nach 7:10 im Entscheidungssatz); RS - Th. Fernandez (Fra): 3:1.
Im 1/8-Finale treffe ich auf Waldemar Krezminski (POL). Werde alles geben.

DEM 2007 in Offenburg

(20.+21.04.2007)

Silber bei Deutscher Meisterschaft. Daniel Arnold gewinnt Gold.

Am 20+21. Apr. 2007 fanden die DBS-Deutschen Einzelmeisterschaften Tischtennis statt. Eine perfekte Organisation, Turnierleitung und Schiedsrichterleistung machten es zum puren Vergnügen in Offenburg an den Start zu gehen.

Die Vorrunde beendete ich als Gruppenerster. Nur gegen Martin Böhm verlor ich einen Satz.

Das ¼-Finale gegen Klaus Mewes gewann ich recht deutlich, da Klaus nach wie vor Schwierigkeiten hat, meinen Aufschlag zu retournieren.

Im ½-Finale wartet dann ein Neuling auf mich. Mark Schneider aus Württemberg. Mark hatte in der Gruppe gegen Daniel Arnold, den später Goldmedaillengewinner zwar 0:3, aber doch jeden Satz knapp verloren. Ich war also gewarnt. Nach einem glücklichen ersten Satz für mich (11:9), war ich im zweiten Satz ständig vorne und gewann ebenfalls 11:9. Im Dritten hatte ich den Bogen raus. Halblange Aufschläge mit viel Unterschnitt brachten mich sofort ins Angriffspiel. Ich gewann 11:5.

Das Finale war dann wechselhaft. Den ersten sehr ausgeglichenen Satz entschied Daniel für sich. Im Zweiten spielte ich absolut präzise Aufschläge und gewann. Den Dritten verschweige ich lieber. Nun gut, nach 0:9 verlor ich 4:11. Der vierte hätte dann wieder meiner werden sollen und bei 9:5 für mich sah auch alles danach aus. Aber Daniel lies sich vom Spielstand nicht beirren, griff beherzt an, schlug gefährlich auf und gewann schließlich in der Verlängerung.
Herzlichen Glückwunsch Daniel!

WM 2006 in Montreux

(22.09. bis 02.10.2006)

Es war eine Superzeit am Genfer See. Sportlich lief es besser als erwartet und Land und Leute waren schlicht wunderschön.

Tagebuch

Freitag, 22. September 2006

Mit der besten Motivation, die ich mir denken kann, bin ich in Montreux angekommen. Freitagmorgen war ich noch Gast an der Alfred-Delp-Realschule. Die Tischtennisplatte war zweimal umringt von etwa 400 Schülerinnen und Schüler. Konzentriert und interessiert haben die Kinder zugehört, nachgefragt und zugeschaut. Die in einer Nachtschicht unterschriebenen Autogrammkarten waren binnen weniger Augenblicke vergriffen. Danke!


Die nachmittägliche Autofahrt durch die Schweiz war sehr schön und fast entspannend. Bei Sonnenuntergang kam ich in Montreux an. Das Hotel unserer Mannschaft liegt direkt am Genfer See. Mit Daniel Arnold, meinem Teamkollegen, teile ich mir ein großes und gemütliches Zimmer.

Samstag, 23. September 2006

Ich liebe Bircher Müsli und so war ich hoch erfreut, dieses am Frühstücksbuffet zu finden: Lecker!
Um 9.40h konnten wir zum ersten Mal an der späteren Wettkampfstätte trainieren. Acht Tische im Festsaal des Kongresscenters sind für die stehenden Spieler (Footis) aufgebaut. Dagegen wirkt die Halle für die Rollis eher wie ein Keller. Andererseits blendet das Licht im Festsaal und im Boden sind hin und wieder kleine Unebenheiten.
Die Eröffnungsfeier war ein wenig spröde. Nationeneinzug, Begrüßungsreden, Blasmusik und Albhornspiel.
Um 21.00h kam die Auslosung für die offene Klasse. Ich spiele um 11.30h an Tisch 11 gegen Dezso Bereczki, Ungarn, Klasse 10 "Behinderung am Nichtspielarm". Das wird eine fast unlösbare Aufgabe. Andererseits gäbe es für einen Sieg unglaubliche viele Weltranglistenpunkte. Na, dann werde ich mal locker ran gehen und eine Überraschung versuchen.

Sonntag, 24. September 2006

Es war ein erfolgloser Tag für die deutsche Mannschaft. Von den stehenden Spielern ist nur Jochen Wollmert ins 1/8-Finale gekommen. Bei den Rollis ist Andrea Zimmerer jedoch im 1/4-Finale und hat gute Chancen, weiter zu kommen. Ich selbst habe gegen Bereczki zwei miserable Sätze gespielt. Mein Aufschlag war nicht lang genug und hatte kaum Schnitt und mein Return war zaghaft. Umso besser war dann Satz drei. Mit ein wenig Glück und vier richtig guten Flippbällen als Return konnte ich 11:8 gewinnen. Im vierten Satz war alles offen. Beim Stand von 7:8 habe ich einen hohen Ball ins Netz gedroschen. Statt Ausgleich war ich zwei Zähler hinten und Bereczki hatte Aufschlag. Er gewann 11:9. Dennoch war ich froh wenigstens zwei gute Sätze gespielt habe.


Heute Mittag kam die Einzelauslosung. Die ist für mich ein Graus. Der Spieler Gregorevic ist zwar "nur" Nr. 13 der Weltrangliste, aber leider habe ich bislang noch nie gegen ihn gewinnen können. Er spielt einen üblen Seitenschnittaufschlag in meine Rückhand und blockt hervorragend. Also brauche ich Glück und schnelle Beine.

Montag, 25. September 2006

Montag ist Schontag. Da Daniel, Jochen und ich heute erst um 18.00h spielen müssen, haben wir einen kurzen Ausflug zur Burg Chillon gemacht. Die Burg liegt direkt am Genfer See und ist angeblich die schönste Burg in der Schweiz. Das glauben wir gerne. Fast zwei Stunden haben wir gebraucht, um alle 32 Stationen in der Burg zu sehen. Jochen hat als Burggespenst ein paar ahnungslose Touristen erschreckt.


Das Spiel gegen Franch war problemlos. Auf seiner Rückhand spielt er lange Noppen. Also habe ich zuerst weiche Topspins in seine Vorhand oder auf seinen Spielarm gezogen. Mit zunehmender Sicherheit wurde der Topspin schneller und die Platzierung variabler. Ich gewann 11:3, 11:4, 11:5.

Dienstag, 26. September 2006

Ich hatte Glück und schnelle Beine. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Vjekoslav Gregorevic besiegt. Entscheidend war der dritte Satz. Beim Stand von 1:1 Sätzen lag ich 4:10 in Punkten zurück (ein Satz geht bis 11). Also hatte ich nichts mehr zu verlieren, spielte jeden Return als Flippball und zog dann einen schnellen Topspin in seine Rückhand. Bei 8:10 nahm der Kroatische Trainer Time out. Aber ich behielt Nerven und Konzentration und gewann 11:9. Im vierten Satz wusste ich dann wie ich zu spielen hatte. Schneller Aufschlag mit unterschiedlichem Schnitt und dann sofort einen risikoreichen, sprich schnellen Topspin auf seine Rückhand oder auf den Bauch.


Am frühen Nachmittag erreichte mich die Info, dass das Viertelfinale bereits am gleichen Tag um 17.00h stattfindet. Mein Los fiel auf Peter Rosenmeier, Dänemark. Schlimmer hätte es kaum kommen können. Peter hat mich im Teamwettbewerb bei der EM 2005 geschlagen und dieses Jahr beim Weltranglistenturnier in Piestany sogar klar mit 3:1 Sätzen besiegt. Da ich aufgrund meines Hexenschusses 6 Wochen vor der WM nicht mehr trainiert hatte, war mir klar, dass ich von Anfang an 100 Prozent geben musste. Den ersten Satz verlor ich 11:13, also in der Verlängerung. Den zweiten Satz gewann ich in der Verlängerung. Im dritten Satz wurde das Spiel dann richtig sensationell. Peter stellte seinen Aufschlag um, weil ich seinen langen Aufschlag immer wieder zu einem direkten Punkt verwandelte. Also servierte er kurz und ich spielte jeden Return in die Rückhand. Peter ist wie ich Linkshänder. Dreimal versuchte ich den kurzen Ball mit einem aggressiven Ball in seine Vorhand zu eröffnen. Dreimal zog er mir das Ding um die Ohren. Also nur noch Rückhand. Um es kurz zu machen: Ich gewann jeweils den dritten und vierten Satz nach einem Rückstand von 8:10 Punkten. Übrigens war der Matchball der schönste Ballwechsel des Spiels. Nach Aufschlag und Return spielten wir dreimal vollen Topspin über die Vorhandseite. Mein letzter Topspin war so diagonal, dass Peter fast in der Umrandung stand.


Das Halbfinale gegen Simon Itkonen war im Vergleich zum Viertelfinale fast ein Spaziergang. Simon kann aufgrund seiner Behinderung nur Vorhand spielen. Wer gegen ihn den Ball in die Mitte des Tisches spielt, ist geliefert. Ich kenne ihn aber so gut, dass ich fast jeden Ball an eine Seitenlinie platzieren kann. Ich gewann 11:4, 11: 5, 11:8.
Morgen gibt es nun also eine Neuauflage des Paralympicfinales von Athen. Daniel Arnold gegen Rainer Schmidt. Ich werde alles geben, bin aber mit dem erreichten Finale bereits überglücklich.

Mittwoch, 27. September 2006

Zwei Punkte bis Gold. Nur zwei kleine Punkte haben zu meinem dritten WM–Einzeltitel gefehlt. Ich hatte einen furiosen Start. Mein langer Aufschlag brachte Daniel ein ums andere Mal in arge Probleme. Sein Return glich mehr einem Notball und mein anschließender Topspin brachte meistens schon den Punktgewinn. Daniel spielte verhalten, agierte mit weichen Spinbällen und suchte sein Glück im Distanzwechsel. Die beiden ersten Sätze gingen aber klar an mich:
11: 7, 11:6.
Im Dritten Satz lag ich nach eigenem Aufschlag sofort 0:2 zurück. Bei 5:5 war ich aber wieder an Daniel dran. Nachdem Daniel beim Stand von 7:6 für mich einen Schmetterball verschoss, führte ich dann sogar 9:7 und bekam Aufschlag. Bei diesem Spielstand dachte ich zum ersten Mal, dass ich nun gewinnen werde. Das war eigentlich ein Warnsignal, denn wenn ich ans Gewinnen denke, konzentriere ich mich nicht mehr auf meine Taktik und Bewegung. Ich überlegte noch, ob ich Time out nehmen sollte, um wieder in die Konzentration zu kommen, dachte aber, es müsste auch so gehen. Das war ein Trugschluss. Beide Aufschläge kamen nicht nah genug an die Grundlinie des Tisches und Daniel griff sofort an. Ich verlor den Satz 9:11. Der vierte Satz war völlig offen, aber ich konnte zwei vermeintlich sichere Topspin nicht zu einem Punkt verwandeln. Wieder verlor ich 9:11. Im fünften Satz hatte ich dann nichts mehr zu melden. Daniel schlug extrem präzise auf und griff sofort an. Also kam ich kaum mehr zu eigenen Angriffsbällen. Schade. Ich hatte die große Chance, nach 1986 und 1990 zum dritten Mal Weltmeister im Einzel zu werden und habe sie verpasst.
Andererseits bin ich überglücklich, denn wäre ich in der Vorrunde oder im Viertelfinale rausgeflogen, hätte ich mich nicht beschweren können. Dort bin ich zweimal bis an meine Leistungsgrenze gegangen und vielleicht sogar darüber hinaus. Über Silber freue ich mich sehr.

Donnerstag, 28. September 2006

Die Medaillenfeier am Mittwochabend fiel eher bescheiden aus. Jochen, Dieter, Daniel und ich fuhren nach Vevey, kauften eine kühle Flasche Sekt und Schweizer Schokolade und genossen dieses am Stadtbrunnen.


Die Konzentration auf den Teamwettbewerb fällt mir schwer. Im Einzel habe ich am Limit gespielt. Unser Eröffnungsspiel gegen die Niederlande haben wir zwar 3:0 gewonnen, aber ich habe mein Spiel gegen Harold Kersten knapp mit 3:2 (nach 0:2 Sätzen) gewonnen. Und um ein Haar hätten Daniel und ich unser erstes Doppel seit 1997 verloren. Nach 2:2 in Sätzen und 4:8 Punkten konnten wir in einem Endspurt Kersten und Blok dann doch noch gewinnen. Puh!


WM ist auch ein bisschen Urlaub. Den freien Nachmittag haben Daniel und ich zu einem Ausflug genutzt. Wir fuhren nach Broc, zum Nestlewerk und haben uns die Produktion der Schokoladenerfinder angesehen (und natürlich die Schoggi probiert, lecker!). Der Werksverkauf konnte nach uns beinahe schließen, da wir für die halbe Mannschaft Schokolade gekauft hatten.
Das kleine Dorf Gruyere ist eine Sensation. Autofrei und an einem Berg gelegen bietet es eine schöne Dorfkirche und eine imposante Burg.

Freitag, 29. September 2006

Wieder ein erholsamer Tag. Wir spielen erst um 15.30h gegen Spanien, den Außenseiter des Turniers. Am Vormittag haben wir andere Deutsche Mannschaften als Fans unterstützt. Gleich geht die Vorbereitung auf das Spiel los. 12.00h ein leichtes Mittagessen, 14.00h Beläge auf den Schläger kleben, 14.30h warm up und einspielen, 15.10h am Tisch einfinden (Bälle aussuchen, Trikotwahl, Teamaufstellung).


Das Spiel ist Vergangenheit. Ein klares 3:0 für uns und zwar ohne jeden Satzverlust. Langsam steigt die Spannung wieder. Morgen geht es gegen Schweden, die heute sehr gut gegen Dänemark gespielt haben.

Samstag, 30. September 2006

In den letzten Jahren hat das Team Schweden gegen uns immer den besten Spieler auf die zweite Position gesetzt. Also dachten wir, lass uns die Aufstellung drehen, dann muss ich gegen Itkonen spielen, den ich ja im Halbfinale klar geschlagen habe. Und prompt stellt Schweden Itkonen auf Eins auf. Dennoch kamen wir nicht in Gefahr. 3:0 für uns.

Sonntag, 01. Oktober 2006

Finaltag. Um 10.00h gegen Dänemark. Letztes Jahr haben Daniel und ich das Finale der EM gegen Dänemark verloren. Also waren wir ganz besonders heiß, das Spiel diesmal für uns zu entscheiden.
Ich fing gegen Peter Rosenmeyer, meinen Viertelfinalgegner, an. Dieses Mal hatte ich nicht wirklich eine Chance. Im ersten Satz fehlte meinen Bällen der richtige Druck, im zweiten traf Peter alles. Der dritte ging an mich. Da habe ich gut angegriffen. Im vierten hatte ich eine Chance, lag aber von Anfang an zurück. 9:11. Schade. Daniel glich aber gegen Jensen souverän aus. Dann kam unsere Stärke. Seit 1997 haben Daniel und ich noch kein Doppel bei einem internationalen Turnier verloren. Auch dieses Mal waren wir nicht zu schlagen. Es war kein schönes Spiel, aber taktisch gut. Zu 90% haben wir den beiden Dänen auf die Rückhand gespielt. Nur wenn wir ganz sicher waren, den Ball verwandeln zu können, oder wenn unsere Gegner immer weiter in die Rückhand gingen, haben wir die Vorhandecke angespielt. Manchmal muss es eben auch ein Arbeitssieg tun.
Daniel hat den Sack dann zugemacht. Das Endspiel haben wir also 3:1 gewonnen. Daniel hat insgesamt nur zwei Sätze im Turnier verloren, nämlich die beiden in unserem Endspiel.
Am Abend bei der Players-Party wartete dann noch eine Überraschung auf uns. Daniel wurde zuerst nach vorne gerufen und als bester Spieler 2006 ausgezeichnet. Eine Ehrung, die das IPTTC (Int. Paralympische Tischtennis Komitee) verleiht. Zu meiner Überraschung wurde auch ich ausgezeichnet. Während der WM hatte es eine Befragung unter allen Teams gegeben, wer die am meisten beeindruckende Spielerpersönlichkeit sei. Das Los fiel auf mich. Ich darf mich nun stolz "The Players´ Player 2006" nennen. Übrigens, Deutschland ist Zweiter in der Nationenwertung geworden.

Mein Fazit: Diese WM war ein echter Höhepunkt meiner Tischtenniskarriere.

Ergebnisse der WM

Offene Klasse:

Berezcki – Schmidt:
3 : 1

Einzelwettbewerb:

25.09., 15:30h: V. Gregorevic – J. Franch: 
3 : 1

25.09, 18.00h: R. Schmidt – J. Franch (Esp): 
3 : 0

26.09, 14.00h: R. Schmidt – V. Gregorevic (Cro): 
3 : 1

Viertelfinale: 26.09., 17.00h: R. Schmidt – P. Rosenmeier (Den): 
3 : 1

Halbfinale: 26.09., 18.30h: R. Schmidt – S. Itkonen (Swe): 
3 : 0

Finale: 27.09., 10.50h: R. Schmidt – D. Arnold (Ger): 
2 : 3

Silber für mich!

 

Teamwettbewerb (mit Daniel Arnold)

28.09, 09.30h:

Deutschland – Niederlande
3 : 0

Dänemark – Spanien
3 : 0

29.09, 05.30h

Deutschland – Spanien
3 : 0

Dänemark – Schweden
3 : 1

30.09, 09.30h

Schweden – Spanien
3 : 0

Dänemark – Niederlande
3 : 1

30.09, 15.30h

Deutschland – Schweden
3 : 0

Niederlande – Spanien
3 : 0

01.10, 10.00h

Deutschland – Dänemark
3 : 1

Schweden – Niederlande
2 : 3

Gold für Deutschland!

DEM 2006 in Schwerin

(21.+22.04.2006)

Am 21. + 22. April 2006 fand die Deutsche Einzelmeisterschaft im Tischtennis in Schwerin statt. Für manche mag ich als Titelverteidiger und somit an Nr. 1 gesetzte Spieler der Favorit gewesen sein. Für mich war es Daniel Arnold, der auf Platz 1 der aktuellen Weltrangliste geführt wird (in Startklasse 6, starke Beeinträchtigung am Spielarm). Außerdem hatte ich zwischen Dez. 2005 und Feb. 2006 aufgrund einer Muskelentzündung arge Probleme mit meinem Rücken, so dass ich in dieser Zeit kaum trainieren konnte. Ich fühlte mich also nicht in Topform.

Meine Vorrundenspiele gewann ich jedoch souverän (gegen Sascha Fuchs 3:0, gegen Karaman Ramazan 3:0).

Vor meinem Viertelfinalgegner hatte ich großen Respekt, denn Harald Stelzer spielte früher in Klasse 9 (leichte Gehbehinderung) und war erst im letzten Jahr in Klasse 6 umklassifiziert worden. Außerdem hatte er Daniel Arnold in der Vorrunde ein packendes Match geliefert. Daniel gewann zwar 3:1 doch waren alle Sätze weit in der Verlängerung. Ich war also gewarnt. Der erste Satz lief dann aber perfekt für mich. Gegen den Rückhandbelag (Antitop) des Abwehrspielers Stelzer gelang mir alles, 11:4! Der zweite Satz war hart umkämpft und bot lange und abwechslungsreiche Ballwechsel, 13:11. Im Dritten gab Harald Stelzer dann nach einem fulminanten Start meinerseits (6:2) seine Gegenwehr auf und verlor wiederum 11:4.

Im Halbfinale hatte ich dann eine glückliche Auslosung. Ich musste nicht gegen Thomas Kusiak spielen. In den letzten Jahren hatte ich gegen ihn unglaublich kämpfen müssen und schon mehrfach verloren. Doch zum Glück fiel das Los auf Winfried Stelzner. Winni kenne ich seit Jahrzehnten und bin früher oft international mit ihm in einem Team gestartet. Wir trennten uns freundschaftlich mit einem 3:0 für mich.

Im Finale traf ich dann auf einen ziemlich erschöpften Daniel Arnold. Dieser hatte mit seinem Partner kurz zuvor den Doppelwettbewerb gewonnen und also 6 Spiele ohne größere Pause in den Knochen. Dazu spielten wir an Tisch 5, wo der Hallenboden mehr als rutschig war. Nach einem knapp verlorenen Satz hatte ich dann das richtige Gefühl, um Daniel extrem in den Ecken anzuspielen und ihn bei fast jedem Ballwechsel auf eine Reise quer durch die Box zu schicken. Natürlich tat er das gleiche mit mir. Im vierten und entscheidenden Satz deutete er mir dann an, dass seine Kraft nicht mehr ausreiche, um auf dem glatten Boden ohne Risiko weiterzuspielen. Wir nahmen also das Tempo raus und beendeten das Spiel mit wenig spektakulären Ballwechseln.

Mein Fazit: Meine Freude über einen weiteren Titel ist da, aber gedämpft. Ich freue mich aber schon auf das nächste Duell gegen Daniel, dann hoffentlich wieder unter besten Bedingungen. Vielleicht klappt es ja im September bei der WM 2006 in Montreux (am besten im Finale :-).

EM 2005 in Jesolo

(15.-26. Sept. 2005)

Mit der EM 2005 habe ich erstmals Ergebnisse eines Turniers auf meiner Homepage veröffentlicht. Ein Tagebuch gab es noch nicht.

Ergebnisse Einzelwettbewerb

Rainer Schmidt – Molander  (SWE): 
3 : 1

Rainer Schmidt – Castillo (ESP): 
3 : 0

Rainer Schmidt – Gofer (ISR): 
3 : 0

Achtelfinale: Rainer Schmidt – Kreminski (POL): 
3 : 0

Viertelfinale: Rainer Schmidt – Suligoj: 
3 : 0

Halbfinale : Rainer Schmidt – Kowalski (POL): 
1 : 3 (verloren)

Spiel um die Bronze: Rainer Schmidt – Rosenmeyer (DEM): 
3 : 2

Damit Bronzemedaille für mich!

 

Ergebnisse Teamwettbewerb

Deutschland – Schweden: 
3 : 0

Deutschland – Spanien: 
3 : 0

Deutschland – Israel: 
3 : 0

Halbfinale: Deutschland – Russland: 
3 : 0

Finale: Deutschland – Dänemark:
 1 : 3

Damit Silbermedaille für Deutschland!